Die letzte Woche war echt hart. Ich balanciere am Stress bedingten Mutti-Abgrund. Nein ich will jetzt nicht jammern – wobei: Es gibt diverse Buch-Neuerscheinungen, die unser anstrengendes Dasein als Eineltern-Zelle beleuchten – deswegen sage ich laut: Basta! Selbst italienische Super-Mütter à la Sophia Loren hätten Ihrem Marcello Mastroianni-Gatten schon längst die Bambini aufs Auge gedrückt und wären auf unbestimmte Zeit nach Capri übergesetzt. Ach der Golf von Neapel im Frühling! Ich schweife wieder ab (dabei bin ich erst in Zeile 7 meines Artikels – geht ja gut los). Egal ich jammere noch ein wenig – wo wenn nicht hier:

Ich habe gar keinen Marcello und das einzige Capri in meiner Reichweite ist ein sonnengelbes ungesundes Eis in meinem Tiefkühlfach (Taschentücher raus): Das es stressig wird steht schon lange fest. Hat mit meiner Arbeit zu tun. Kann man nicht ändern. Ist so. Dieses Mal allerdings, hatte ich mir vorgenommen, achte ich gut auf mich!

Ich atme ruhig, ich mache Pausen und ich esse regelmäßig. Leider war ich in der Verfolgung meiner Achtsamkeits-Ziele nicht besonders konsequent (Scheisse).

Schnappatmend durch Bullerbü – oder der ganz normale Wahnsinn:

Ich habe wechselweise Schnappatmung oder Hunger, weil ich zu viel mache und das Falsche esse. Deswegen ist mir auch letzte Woche etwas passiert: An einem „normalen“ Werktag gegen 16 Uhr verwandelte ich mich auf dem Schulhof von einer lässigen Prenzl’Mama in eine neapolitanische Wut-Mutter, dabei sah ich leider nicht aus wie Sophia Loren – ich hatte nämlich an diesem Tag noch nicht mal Energie für Haare waschen.

Mindestens eine Mutter an der Schule meines Kindes denkt spätestens jetzt ich muss ganz dringend in Gruppen-Therapie oder noch was schlimmeres. Ich schweife schon wieder ab! Stopp! Byron Katie sagt: Woher weisst Du dass es wahr ist. EBEN! Als das passierte mit dieser Mutter, war ich jedenfalls furchtbar sauer. Ich hatte natürlich einen guten Grund. Den hat man ja immer hier in Bullerbü-Prenzlauer Berg – wo das Leben allein mit Kind so hart und unbarmherzig sein kann. Hier leben mehrheitlich glückliche Mütter mit Gatten, SUV, Eigentumswohnung, Putzfrau, Kindermädchen, mindestens einem festem Gehalt und ganz viel Zeit für Haare waschen und Yoga. Die dunkle Ahnung, dass wir Mütter doch nicht alle im gleichen Boot sitzen – waren zu viel für mich. Ich fühlte mich nach der Bemerkung einer Mutter jedenfalls als kickt mich eine Erste-Klasse-Passagierin der Titanic kalt lächelnd mit dem Holzruder Richtung Eisberg. Klong!

Supermütter unter sich – Vergleichen hilft niemandem nirgendwo:

Passiert mir nicht zum ersten Mal so was. Wohne ja schon länger hier. Aber ich war doch nicht ganz allein: Wenigstens auf meine Komplexe war Verlass – die standen mir bei!

Wutschnaubend kläffte ich folgenden Satz in Richtung Ich-hab-im-Gegensatz-zu-Dir-alles-im-Griff-Frau: „Du hast einfach nicht genug Probleme Schätzchen“. Upps. Mist. Ich bin wohl nicht die einzige Mutter, der sowas passiert. Wir fühlen uns durch einen Satz total gekränkt und getroffen – vor allem wenn wir energetisch auf dem letzten Loch pfeifen. An diesem Nachmittag war es wieder soweit. Mein treuester Komplex nahm mich bei der Hand und stürzte sich mit mir kopfüber in mein emotionales Fass, das seit Wochen richtig schön voll lief. Ich wurde natürlich richtig nass! Ein Blick in die entsetzten Gesichter unbeteiligter Zuschauer bewies: Das ist ist nicht das Strandbad vom Hotel Quisisana uff Capri, wo ich eigentlich hingehöre, sondern die ganzjährig laufende Wahl zur Super-Mutter des Jahres. Ich würde wieder nicht ins Finale kommen.

Nach diesem peinlichen Vorfall, wollte ich ganz schnell weg. Wäre auch gegangen: Einfach mit meinem Sohn zum nächsten Termin hechten. Bloß weg  – nicht auszudenken, wenn diese Mutter als freie Redakteurin für die Brigitte schreibt? Oder erfolgreich bloggt – ich werde als Hashtag enden #motherofprenzlauerbergfreaksoutfornothing? Glücklicherweise kam es anders.

Mein Kind und ich landeten auf einem nahegelegenen Spielplatz – er spielte mit einem Klassenkameraden friedlich „Angriff der Klonkrieger“ – während ich mit einer empathischen nicht allein erziehenden Mutter etwas zur Ruhe kam (Nein nicht mit der Titanic Frau – ich bin ja keine Heilige). Ich beschloss nicht weiter zu hetzen. Ganz offensichtlich brauchte ich eine Pause. Und so stellte ich auf einer Parkbank fest: Wir sind nicht alle gleich, wir Mütter in Prenzlauer Berg, aber manche nett. Ging mir gleich besser. Om Mutti Om.

Yin Yoga: Von schlafenden Schwänen und halben Schnürsenkeln

3 Tage später wäre mein Fass aber fast nochmal übergelaufen. Ich war auf dem Weg zu einem Yogaworkshop und viel zu spät dran. Viel zu viele Termine an einem Samstag – hat ja lange gehalten mit dem weniger ist mehr. Leider gingen auch noch mehrere Dinge schief – u.a. saß ich zu spät in der U-Bahn mit randalierenden Bayernfans fest. Falscher Ort, falscher Verein!!! Dann fuhr ich auch noch zur falschen Adresse und sowieso war ich eigentlich wieder zu fertig für Yoga – „und die Haare hast Du auch nicht gewaschen – na das wird ein Auftritt Schätzchen“ zischte in diesem Moment Ihr wisst schon wer. Ich wollte heulen und kneifen. Aber es kam anders: Ich bin vom Rad gestiegen, habe einen Schluck aus der Wasserflasche genommen –  und nach 2 Atemzügen entschieden: Ich versuche es wenigstens.

Ich kam natürlich zu spät, was mir wirklich peinlich war, weil ich so eine Pünklichkeitsmacke habe. Vorsichtig schlich ich zu einer freien Matte. Ich hatte Glück: Gerade mussten alle auf dem Bauch liegen, so konnte ich ein bisschen untertauchen mit meinem Tomaten roten Kopf. Die Lehrerin sagte leise aber freundlich: „Du kommst ja spät“ ich murmelte „ja ich weiss alles schief gegangen – sorry“.

Immerhin 2 Stunden hatte ich noch – ich kam an und ließ mich ein. Ich hatte noch nie einen Kurs bei dieser Lehrerin besucht, oder jemals diese Art von Yoga ausprobiert, aber nach 5 Minuten wusste ich, ich bin am richtigen Ort. Mit mir selbst – hier und jetzt. Yin Yoga mit Kathrin Knauth ist der Knüller. Diese spezielle Form des Yogas ist das beste was man machen kann, wenn man fast gar nix machen kann. Zugegeben etwas ungewohnt ist es, die Asanas bis zu drei Minuten lang zu halten und zu atmen – doch wenn man sich einlässt, passieren unfassbare Dinge im Kleinen wie im Großen. Jedenfalls konnte ich meine seit Wochen tauben Stellen zwischen den Schulterblättern wieder spüren. Die Angst, dass ich zu erschöpft bin für irgendwelche Bewegungen auf der Matte waren total unbegründet. Einfach spüren, finden, zulassen. Darum ging es. Das ist auch schon viel.

Von Kopf bis Fuß arbeiteten wir uns durch unseren Körper und aktivierten unsere Faszien. Dabei merkte ich: Meine Schulter-Nacken-Verspannung ist nicht der einzige Krisenherd in meinem Körper. Oh Gott! Hüftöffner sind auch schwierig. Für mich sowieso: In einer meiner ersten Yogastunden bin ich in der Taube kollabiert. Ich kippte auf eine arme unbeteiligte Frau, die neben mir lag. Dank Katrin kann meine Hüfte jetzt den schlafenden Schwan tanzen. Großartig. Wer braucht da Tauben? Und dann dieser halbe Schnürsenkel – mein neuer bester Freund = der Hammer.

Atmen und Ramen – Pausen sind wie Kurzurlaub vom Ich:

Yin Yoga I love you: 20 total unterschiedliche Frauen saßen und lagen auf Matten, Blöcken und Decken – alle friedlich vereint vor sich atmend. Zugegeben: Manchmal ächzte man auch vor sich hin, Ich zum Beispiel weil man an eine Stelle kam, die ich das letzte Mal in den Neunzigern beim Zirkeltraining bewegt hatte? Ich balancierte mit meinem Sitzknochen auf einem Ball und dachte: OM Mein Gott. Aber ich hielt es aus. Zulassen – auch wenn es weh tut – ist besser als gar nix spüren. Gilt im Leben und auf der Matte. Om. Immer schön den Atem fliessen lassen. Bloß nicht die Luft anhalten! Nach 2 Stunden Yin Yoga Workshop bei Katrin fühlte ich mich wie neugeboren. Voller Energie, gar nicht erschöpft, sondern sehr entspannt.

Glücklich stieg ich auf mein Rad. Eigentlich ist das ja alles nicht so schlimm, wenn man auf sich achtet, dachte ich, und spürte meinen Magen, der mir signalisierte: Ich möchte auch genährt werden Schätzchen und zwar schnell. Wie gut, dass ich auf dem Heimweg an einem japanischen Suppenladen vorbei musste, den ich schon lange mal ausprobieren wollte.

Ich bestellte mir eine Ramen Suppe mit extra Gemüsetempura und war versöhnt – mit mir, dem Leben und sogar dieser Erste-Klasse-Mutter. Bis die Rechnung kam, da hatte ich wieder Schnappatmung und wollte meinen Gesichtsmeridian spontan auf einen Tennisball legen. 17 EUR? Ok die kommen aus Düsseldorf, aber dit is Berlin Freunde!

Atmen Baby ATMEN und sowieso: Dies war die beste Ramen-Suppe seit 1998 in einem kleinen komischen Lokal mit Plastikmöbeln hinter dem Gare de l’Est – und damals hatte ich immerhin fast das doppelte bezahlt. Eben. Atmen. Essen. Om.

5 Tipps, wie Du durch stressige Phasen kommst:

  1. Weniger ist mehr – nicht mehr als 1 Termin zusätzlich zur Arbeit!
  2. Pausen machen: Alle 2 Stunden aufstehen, Schulter kreisen lassen, Nacken dehnen.
  3. Du bist was Du isst: Zucker ist auch keine Lösung – Obst schon!
  4. Yin Yoga!!! Katrin Knauth ist der Knüller – zu Ihrer Seite geht es hier.
  5. Die Frage aller Fragen: Ist das wirklich wahr? Byron Katie lesen ist immer gut.