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rein theoretisch ist alles gut

Was Selfmade-Gurus und Du und ich vom Dalai Lama lernen können

Ich bin kein Guru, sondern ein einfacher Mensch. Ich habe viele dunkle Charakterflecken auf meiner Karmaweste. Die Hälfte meiner Leser, schnappt jetzt nach Luft und denkt: Holy shit! Aber mal im Ernst Freunde – wer ist ist 24 h am Tag “kind” oder eine Lichtgestalt? Der Dalai Lama? Hm? Vielleicht. Doch dazu später mehr. Ich bin jedenfalls nicht immer lichtvoll und “kind” –  eine Charaktereigenschaft kommt mir dazwischen. Ich sage, was ich denke, wenn es der Moment erfordert und der Mensch – und es ist mir dabei total egal, ob derjenige auf einer VIP-Liste steht. Ich finde meine Direktheit nicht mehr so schlimm – ich versöhne mich mit ihr. Sie macht mich zu dem Menschen, der ich bin. Insofern: Namasté.

Schatten und Licht

Die Natur, das Universum oder wer auch immer hat uns clever konstruiert. Ich bin zum Beispiel auch ziemlich höflich und kann über mich lachen. Wenn ich in meiner Mitte bin dann wirken all diese Eigenschaften ganz wunderbar zusammen. Oder es kommt der richtige Impuls von außen:

In einer wirklich pechschwarzen Stunde meines Lebens, tätschelte mir ein Anverwandter die Hand und sagte: “Ruhig bleiben, nirgends wird so viel gelogen wie auf Beerdigungen”. Das hat mir damals sehr geholfen und verhindert, dass ich den geöffneten Sargdeckel zuknalle oder brülle. Ich musste sehr lachen. Inzwischen sind viele Jahre vergangen – und ich weiß: Es wird irgendwo mindestens so viel gelogen wie auf Beerdigungen: In der spirituellen so achtsamen Welt. Hier tummeln sich Menschen mit einer Botschaft und einer ehrenvollen Aufgabe. Sie wollen ihr Licht in die Welt tragen, um unseren Planeten besser zu machen. Dagegen ist ja nichts zu sagen. Holy shit we need a change! Es gibt viel zu tun und es braucht Menschen, die vorangehen. Wenn die leuchten, um so besser, sieht man gleich wo man hin muss.

Der Dalai Lama ist kein Glühwürmchen

Abseits des Scheinwerferlichts verwandelt sich manch leuchtendes Beispiel aber in ein tollwütiges Glühwürmchen. Nein ich spreche nicht vom Dalai Lama. Der ist ok. Immer wenn ich sehe, wie die Menschen strahlen, wenn er ihnen einen Schal überhängt, denke ich: “Wahnsinn ich will auch”. Dieser Mann ist überall und in jeder Situation authentisch, strahlend hell und a kind person. Vielleicht hat er eine kleine Schwäche für nicht fair trade gehandelte Schokolade oder er bescheisst beim Scrabble – aber sonst: Freundlich und respektvoll im Umgang mit sich und anderen (wer jetzt andere Informationen hat möge diese bitte für sich behalten – es geht um den Weltfrieden!)

Wenn der Dalai Lama zum Beispiel mal keinen Schal parat hätte, weil niemand ahnen konnte, dass man in den dunklen Kellerfluren der UNO auf den chinesischen Verteidigungsminister trifft, und auch niemand geglaubt hätte, dass der mal freiwillig einen Schal will – und zwar genau jetzt. Was hätte der Dalai Lama getan? Hätte er seine Entourage in Grund und Boden gebrüllt?

What the fuck? Why we don’t have a scarf? You ruin peace! Burn in hell!

Nein. Er hätte freundlich gelächelt und gesagt:

Scrabble anyone?

Er hätte niemanden beschimpft, oder beleidigt, weil der Weltfrieden ausgerechnet jetzt in Gefahr ist. Nein der Dalai Lama würde lächeln und das richtige tun, denn er hat die richtige Einstellung. Deswegen ist er der Dalai Lama.

Lichtgestalten und Scheinheilge

Gurus schießen ja heutzutage wie Pilze aus dem Boden. Ist ja nicht schlecht. Haben wir alle was davon. Ein paar Schicksalsschläge, ein bis zwei traumatische Kindheitserlebnisse, ein erfolgreich bekämpftes Suchtproblem, die Entdeckung einer Heilmethode beim Meditieren in Ost-Indien, ein Talent für Yoga – dazu ein flotter Social Media Account und eine gewisse Grund-Attraktivität – und schon geht’s los:

I am kind, how I became a better person, I am the light, I am a modern priestess, I am change.

Wahnsinn! Dieses Tempo verkraftet allerdings nicht jeder. Nicht umsonst hatten Gurus in den guten alten Zeiten eine lange Zeit mehr Falten als Follower. Sie sind zu dem geworden, was sie sind, weil sie sich verändert haben, und sich immer mit sich selbst auseinander gesetzt haben. Was auch immer die Botschaft ist, egal wie wichtig und strahlend hell, das ist was Du tust: Du bist die Botschaft. Und wenn Du nicht authentisch bist, macht es irgendwann Peng – und dann wird es ganz schön duster. Ich war mal dabei. Innerhalb von 3 Sekunden mutierte jemand von der Lichtgestalt zum tollwütigen, humorlosen Glühwürmchen. Ich dachte: “Holy bitch!” Tja so ist das: Licht und Schatten – Yin und Yang – Alpha und Omega – Tom und Jerry – Ich und Du.

Wenn wir unsere Schwächen unterdrücken und bekämpfen, statt sie zu integrieren – dann wird das nix mit dem Change und dem Weltfrieden. Irgendwo zwischen Erleuchtung und Scheinheiligkeit liegt der Pfad, den wir gehen sollten.

PS: Ich würde übrigens auch zum Dalai Lama sagen: “Geht’s noch Eure Heiligkeit”, wenn er sich daneben benehmen würde.

PPS: Und er würde mir einen Schal umhängen und sagen: Thank you!

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