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rein theoretisch ist alles gut

Die absurdesten Jobs – oder was in den Lebenslauf gehört

Mütter schreiben ja gern übers Muttersein: ich hab den härtesten und schönsten Job der Welt. Kann ich unterschreiben – ich würde dann noch ergänzen: und viel Geld verdient man damit leider auch nicht.

Wie auch immer:

Der Februar ist für mich der schrecklichste aller Monate wegen Valentinstag, und der Krokusse, die sich alljährlich tapfer durch die Berliner Hundehaufen in den Parks an die Oberfläche kämpfen. Das drückt mir auf das Gemüt.

Trotzdem schreibe ich munter und unverzagt Bewerbungen, weil ich Mutter bin und niemals mutlos – höchstens kurz – und gerade festgestellt habe, dass mein Kind schon wieder aus den Schuhen herausgewachsen ist, und das Rad auch bald zu klein ist. Ihr kennt das. Das Leben stoppt nicht. Nie. Geht immer weiter, wie die Jahreszeiten. Auf und ab. Und Mutti geht mit.

Mein Lebenslauf ist inzwischen übrigens so lang, dass ich ihn verkleinern muss, damit er überhaupt verschickt werden kann. Dabei hab ich mich auf die HR tauglichen Meilensteine meines Berufslebens konzentriert, und meine Mainstream-Qualifikationen. Das Beste hab ich leider weggelassen.

Da ich allerdings sehr gelacht habe, als ich mich an die aberwitzigsten Momente meiner Erwerbstätigenbiographie erinnert habe – und in der sentimentalen Rückschau meine vielseitigen Begabungen erkenne, schreibe ich sie hier noch einmal auf, dann haben wir alle was davon. Ihr könnt in den Kommentaren gern Eure Meilensteine teilen, und Euch bewusst machen, was Ihr alles könnt. Ich hab die Anekdote, immer schön griffig für den mitlesenden Head of HR zusammengefasst:

  1. 3.000 Eclairs im Hochsommer verkauft als Studentin. Der Zuckerguss war überall auf mir, und obwohl direkt gegenüber ein Eisladen war, bildeten sich Schlangen vor meiner Verkaufstheke, ich kann übrigens immer noch keine Eclairs essen = Durchhaltevermögen.
  2.  Ich bin mal als Handy motivierend durch einen Elektronikmarkt gesprungen, und habe aus Versehen den Filialleiter in einen Stapel mit Haushaltsgeräten gerammt. Die Angestellten fanden mich ganz großartig, es blieb trotzdem eine einmalige Werbeaktion = Einsatzbereitschaft.
  3. Als Hostess habe ich Abos für ein Wirtschaftsmagazin auf der Art Cologne promoted und Häppchen rumgereicht. Die Redakteurin fand die Standgestaltung der Marketingabteilung nicht gelungen. Sie fuhr nach Hause “ein bisschen Deko holen”. Sie kam zurück mit einem Gummibaum, Kelim Kissen und mehreren Gemälden aus der Kunstsammlung ihres kürzlich verschiedenen Gatten. Schätzwert um die 50.000 EUR. Sie meinte: “der aufgeregten Frau vom Marketing sagen wir besser nix Kindchen, die hyperventiliert nur”, ich hielt dicht = Teamfähigkeit.
  4. Auf einer Kundenveranstaltung mussten meine Kolleginnen und ich eine Art futuristischen Reifrock tragen. Ich musste um Mitternacht überstürzt abreisen, weil jemand ausgefallen war, und wir einen Personalengpass auf einem Kongress in Salzburg hatten. In diesem Outfit rannte ich dann durch den Frankfurter Hauptbahnhof, erreichte gerade noch den Nachtzug, ein Schaffner musste mich dafür durch die Tür in den Schlafwagen quetschen = Tatkraft.
  5. Ich habe den Aufbau einer Veranstaltung auf schwierigem Gelände mit einem Kasten Bier und einem Augenflirt mit einem unbeteiligten Baggerfahrer um einen halben Tag verkürzt = Engagement.
  6. Der begehbare Darmtunnel existiert! Man kann dadurch das Budget für Kinderanimation schön schmal halten auf gesundheitspolitischen Veranstaltungen. Die lieben Kleinen sind den ganzen Tag beschäftigt, und hängen sich munter an die Darmzoten, macht auch nicht viel Müll = Kreativität.
  7. Ich habe so laut nachgedacht über den Zustand der als Fußgängerweg verlegten Stahlplatten auf einem Waldweg, und derart plastisch dargestellt, wie Minister zu Fall kommen, dass der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde panisch eine Kehrmaschine in den Wald geschickt hat. Das Geräusch und der Nebel um uns herum: ganz großes Kino! = Verantwortungsbewusstsein.

Warum lässt man eigentlich immer die aberwitzigsten Situationen und Jobs weg, oder verschweigt verschämt die wichtigsten Lücken. Zum Beispiel eine Familienpause. Damit sollten wir positiver umgehen.

Ich suche übrigens weiterhin eine (bevorzugt sozialversicherungspflichtige) Tätigkeit im Bereich Kommunikation/PR/Event.

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