Am letzten Samstag war ich auf der Blogfamila. Das ist ein Netzwerktreffen der ElternbloggerInnen. Es war meine Premiere. Ich habe viele BloggerInnen getroffen, die ich bisher nur aus dem Netz kannte. Die Idee der Blogfamilia ist Vernetzung, Austausch und Fortbildung – das Konzept geht auch voll auf.

Fast alle BloggerInnen, die auf dem Event waren, haben schon Beiträge dazu veröffentlicht. Und ich?  Ich bin spät dran. Dabei schloß die Blogfamila mit dem Aufruf: Seid politisch!  Und das ist doch voll mein Thema.

Endlich bin ich in meiner Nische mal im Trend!

Immerhin hab ich ne super Ausrede für meine lange Produktionszeit. Ich engagiere mich gerade für eine Demo gegen Kinderarmut. Inzwischen sind wir sieben Mütter, und dieses Projekt wächst gerade so rasant, dass es fast schon panisch macht (jetzt muss halt nur noch eine/r kommen am Samstag, 12. Mai von 14 – 16 Uhr in Berlin).

Eigentlich brauchen wir mehr denn je ein Dorf. Elternschaft ist heutzutage ein Schnellkurs in Sozial-, Arbeits- und Familienpolitik. Während der eigene Nachwuchs wächst und gedeiht, staunt man darüber, was alles andere nicht geht bzw. still steht:

Kitaplätze, Teilzeitstellen von denen man leben kann, familienfreundliche Arbeitszeiten, unbefristete Jobs, faire Löhne, angemessene Renten.

Was auf Eltern zukommt mit der #GroKo:

Jetzt ist wieder GroKo. Den Koalitionsvertrag hab ich gelesen. Bleibt alles wie es war, leider, die üblichen Verdächtigen und ein paar Neue treten in leicht veränderter Besetzung an.

Frau Giffey, bisher Bürgermeisterin von Neukölln, ist jetzt Familienministerin, die sprach übrigens das Grußwort bei der Blogfamilia. Beim Satz: “der beste Schutz für Kinder vor Armut ist, wenn beide Eltern arbeiten” riß es mich fast vom Sitz – allerdings nicht vor Begeisterung, denn er stimmt eben so nicht.

Für viele Eltern ist ein gutes Auskommen trotz Erwerbsarbeit nicht mehr drin. Niedriglohnsektor, Befristungen und atypische Jobverhältnisse treffen besonders Mütter. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, und aus vielen Rückmeldungen im Netz. Die Vereinbarkeit von Kind und Berufstätigkeit ist ein Problem, vor allem für Alleinerziehende. Das darf nicht so weitergehen, aber das wird es unter dieser Regierung.

Warum beteiligen sich Eltern nicht mehr an Politik, werden laut und gehen in den Dialog? Elternblogs z.B. haben so viel Reichweite, machen wir mehr daraus!

Mehr KITA-Plätze, Ganztagsschulen, Hausaufgabenbetreuung, besseres Schulessen, flexible Arbeitszeiten, Steuergerechtigkeit, Wertschätzung von Care-Arbeit, Kindergrundsicherung, weg mit Kinderarmut.

Gut, dass sie nicht “Baukindergeld” gesagt hat raunt da eine Mutter neben mir “dann wäre ich geplatzt, egal wie sympathisch sie ist”. Anscheinend bin ich nicht allein, lässt ja hoffen, denke ich und klatsche freundlich. In der Pause diskutiere ich angeregt mit anderen Eltern, und bin überrascht wie groß das Interesse an Politik ist. Auf den nächsten Barrikaden wird gestillt!

Mehr zum Thema Eltern und Politik hier:

Der Mutti-O-Mat oder der familienpolitische Wahltest:

Familienpolitik: Gehts noch? Warum Eltern mal ganz hurtig in die Trotzphase kommen sollten bevor die Bundestagswahl vorbei ist