Jeder Mensch erlebt hoffentlich einmal im Leben diesen besonderen Moment: einen Zustand augenblicklicher Nüchternheit und allwissender Klarheit. Das Universum träufelt dir liebevoll etwas Wahrnehmungsentzerrer in Herz, Hirn und auf die Netzhaut. Plötzlich werden die großen und kleinen Zusammenhänge sichtbar. Du fühlst Pfefferminzöl auf den Schläfen, gletscherklare Luft in den Lungen, Maronensuppe mit Trüffelöl am Gaumen und Alpakasocken an den Füßen – alles irgendwie gleichzeitig (also ich jedenfalls). Ist man in solchen Momenten ganz nah am Glück?

Beim Savasana passiert mir das oft oder an der Kasse vom Discounter, und eben gerade. Wenn das passiert, muss ich mich immer erstmal setzen und innehalten. Zum Glück ist heute Samstag = ich muss nirgendwo hin, außer zu diversen Haushaltsgeräten (und endlich mal den Christbaumständer aus dem Keller holen) – und Ausmisten wollte ich: Bücher und Klamotten.

Theorien zu Fülle und Glück haben Hochkonjunktur:

Es gibt ja Theorien, dass der Ballast, den du mit dir rumschleppst – emotional, aber auch tatsächlich in Haus, Hof und Keller – dich daran hindert, dass das Glück oder die Fülle in deinem Leben einziehen – bzw. Geld aufs Konto fließt. Ist das nicht toll? Aus eigener Kraft zum Sechser im Daseins-Lotto!

Für Menschen, die sich gerne mit schönen Dingen umgeben, oder an Erinnerungen hängen, ist das mitunter schwierig.

Bei mir wird das mit der Fülle nach dem rigorosen Ausmisten problematisch bleiben, denn selbst wenn ich meine Anlagen in den Griff bekomme, ist da noch das Spielzeug meines Kindes, das mich daran hindert Wachstum nachhaltig willkommen zu heißen, weil es überall ist. Es ist immer da, selbst wenn es eigentlich nicht da ist, weil man es gerade erst wieder aufgeräumt hat.

Es ist erträglicher geworden: Das Kind wird größer, räumt unter Protest auf, ich meditiere und mache Yoga.

Warum Mutterschaft mitunter schmerzt:

Ich habe gelernt, auf mich zu achten, und zu schätzen, was ich habe und bin. Das hat sehr positive Auswirkungen auf meine Umgebung: ich kann mein Kind so annehmen wie es ist, in Liebe und Achtung – auch morgens um drei Uhr, wenn es in mein Bett krabbelt, weil es einen schlechten Traum hat, und mir innig den Ellbogen ins Auge rammt.

Kürzlich hatte ich nach so einer Nacht ganz viele Legosteine im Bett. Meine Wirbelsäule wollte nie wieder aufstehen. Ich wollte den Rettungshubschrauber bestellen, damit er mich zur Kaffeemaschine bringt.

Ich habe mir das so ausgesucht – ich wollte das Kind. Vor zwei Jahren gab es noch die Dino-Phase, wer jemals schlaftrunken auf einen Stegosauraus getreten ist, weiß was das heißt.

In der Bhagavad Gita steht: Unbeständig sind die Kontakte der Sinne mit den Objekten. Trage sie tapfer, so wirst du ein Held. Da das Krishna gesagt hat, glaube ich daran. Ich habe es bis hierher geschafft. Ich bin auf dem Weg. Om.

Wohlstand, Erfolg = die Fülle leben?

Grundsätzlich ist es ja ein Wunder, dass ich überhaupt auf Legosteine oder Plastiksaurier trete in meiner Wohnung, erstens weil ich Mutter geworden bin, zweitens, weil wir (mein Kind und ich) uns immer noch in diesem Kiez wohnen, wo die Mieten explodieren.

Gerade zum Beispiel bewege ich mich wieder auf einen Schnappatmungs-Moment zu. Damit meine ich nicht Weihnachten mit meiner Mutter. Mein Vertrag bzw. ein Projekt läuft aus.

Ab dem 01.01. beginnt mein Erwerbsleben wieder von vorn. Herumliegendes Spielzeug ist in den nächsten Wochen mein geringstes Problem.

Ich verdanke es meiner positiven Einstellung zum Leben, und ein paar lieben Freunden, die mich hartnäckig daran erinnern, dass es schön ist, dass es mich gibt, dass ich momentan nicht 24 h lang denke: ich packe mich weg in einen Karton, und stelle mich vor die Tür, denn offensichtlich braucht mich ja niemand. Ich weiß sowas denkt man nicht, weil uns unsere Gedanken beeinflussen:

 

You are the sky anything else is just the weather:

Es gibt ein schönes Zitat von Buddha: Unser ganzes Dasein ist flüchtig wie Wolken im Herbst; Geburt und Tod der Wesen erscheinen wie Bewegung im Tanz. Ein Leben gleicht dem Blitz am Himmel, es rauscht vorbei wie ein Sturzbach den Berg hinab.

Oben und unten.

Hoch und Tief.

Jetzt und hier.

Hab ich druff:

Vor 10 Jahren hatte ich mit einem Mann eine Beziehung, der offenbar vom Universum dazu bestimmt worden ist, der Vater meines Kindes zu werden, aber nicht der Partner fürs Leben. Ich hatte mir das Mutterwerden anders vorgestellt. Ich hab trotzdem ja gesagt, aus vollem Herzen und mit leicht mulmigen Gefühl im Buch, weil ich wusste, die Verantwortung für mein Kind werde ich zum größten Teil selbst tragen müssen. Ich war bereit dazu. Kein Problem. Oder doch? Selbst für mich?

Buddha sagt: „Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.“

Trifft für mich zu: ich habe in den letzten 10 Jahren gelernt aus dem Vater meines Kindes kein Problem zu machen, das verdanke ich einer veränderten Wahrnehmung, therapeutischer Hilfe und meinem eigenen Handeln. Hätte anders ausgehen können. Ich bin klar mit ihm, und mein Kind erhält pünktlich Unterhalt. Ist halt nicht so das typische Vater-Mutter-Kind-Modell.

Probleme verschwinden nicht allein mit einer positiven Einstellung:

Das ändert allerdings nichts daran, dass ich als alleinerziehende Mutter ein immer wiederkehrendes Problem habe: nämlich dass mir Geld fehlt, und im Alltag manchmal die Puste ausgeht, weil ich keinen Partner habe.

„Geldsache ist eine Kopfsache“ hat kürzlich eine Frau kommentiert bei Facebook, als ich einen Artikel geteilt habe in dem eine Alleinerziehende mit Teilzeit- und Minijob sagt: „Ich habe noch 50 EUR und weiß nicht wie ich den Monat überstehen soll“.

Hätte ich den Kommentar „Geld allein macht nicht glücklich im Leben“ gelesen, wäre ich wahrscheinlich ziemlich viele Karmapunkte losgeworden. Der triggert mich nämlich. Es ist einer der Glaubenssätze mit denen ich groß geworden bin. Der Klassiker war und ist (!) allerdings: „jede(r) ist seines Glückes Schmied.“ Wer kennt diese Sätze nicht? Wohlstand und Erfolg werden heutzutage als Lebensaufgabe mit in die Wiege gelegt. Sobald man laufen kann wird ein Rucksack daraus. In dem Ding ist, je nach Mensch, irre viel drin: das Ego, Angst, Komplexe, kommt ständig was dazu: Anspruch auf Anspruch von Kindesbeinen an. Da braucht es ganz schön Kraft. Einzelne kommen trotzdem recht weit nach oben. Manche haben keinen Rucksack. Aber die Mehrheit? Tja. Ist halt nicht jeder in diesem Leben als Christian Lindner auf die Welt gekommen.

Dieses Phänomen fällt mir besonders auf seit ich Mutter bin, weil ich nicht nur meinen Rucksack schleppe, sondern das Kind. Ich hab schon ganz viel aus dem Rucksack rausgenommen z.B. Glaubenssätze aufgelöst. Doch das Kind trägt spätestens ab Schuleintritt auch einen Rucksack.

Dabei hab ich es rein theoretisch leicht: Ich stecke in Beschäftigungsverhältnissen, die „gut“ vereinbar sind für Mütter: z.B. befristete Teilzeit.

„Wenn Du es dem Universum überlässt, wirst Du staunen über das, was es Dir liefert… dort passieren Wunder.“ – The Secret

Eine Freundin hat mir diesen Spruch mal vor Jahren vorne in ein Buch hinein geschrieben: Sie hat es mir geschenkt – ich rümpfte die Nase, denn ich dachte, es handelt sich um seichte Frauenliteratur mit Mittelalter-Setting, weil mich das Cover mit einem Siegel irritierte, als ich es in den Händen hielt.

Das Buch hieß „The Secret“ und war eine Art Ratgeber. Ein schmales Bändchen, das verriet wie jeder durch Gedanken das eigene Leben positiv beeinflussen kann. Der Weg zu Gesundheit, immerwährender Liebe, Wohlstand und weiteren Lebenswünschen liegt nämlich nur in uns selbst.

The Secret und ich: garantiert keine Freunde fürs Leben

„The Secret“ erreichte mich, als mein Sohn ein paar Monate alt war, und ich gerade erfahren hatte, dass mein Arbeitgeber, zu dem ich nach der Elternzeit glorreich zurückkehren wollte, Insolvenz anmelden muss. Meine Freundin wollte mich aufmuntern. Ich sah es positiv, und hab ihr wegen Empathielosigkeit und einiger anderer Vorfälle endlich die Freundschaft gekündigt.

Ich muss gestehen, dass ich das Buch doch und tatsächlich bis zum Ende gelesen habe, nach der Lektüre verstand ich, wieso Menschen an einem Unfallort bleiben müssen, selbst wenn es ganz schrecklich ist.

Ich las staunend:

„Schreibe Dein Drehbuch. Wenn Du Dinge siehst, die Du nicht willst – denk nicht über sie nach, schreibe nicht über sie, rede nicht über sie, wehr Dich nicht gegen sie, geh nicht in Gruppen, welche sich nur mit dem befassen, was man nicht will, entferne Deine Aufmerksamkeit von dem, was Du nicht willst und lege sie auf die Dinge, die Du willst“.

Das klingt verführerisch – vor allem wenn du platt auf der Couch liegst mit einem Baby, und sowieso nirgendwo hinkannst.

Was man bereit ist zu glauben, wenn man ein bisschen Hoffnung braucht:

Glück und Reichtum würden in kurzer Zeit über mich schwappen, während mir die Stilleinlagen überliefen. Mein Leben begann quasi neu: anything goes und fließt im Überfluss, nicht nur die Milch.

Leider war mir sehr bald klar, dass das Buch und ich nicht miteinander glücklich würden. Um es mal positiv zu formulieren.

Nach der Lektüre war ich allerdings fasziniert, auf welch simple Sätze man das Leben, diesen schrecklich schönen Scheißhaufen bzw. die Herausforderungen vor denen ich stand, saß oder lag, tatsächlich herunterbrechen konnte. Und noch etwas Positives konnte ich daraus ableiten: dass es Menschen gab, die glaubten, dass so etwas funktionieren könnte, und Frauen über 40 als Autorin durchstarten und Millionärin werden können – wie die Verfasserin von „The Secret“ zum Beispiel, die aus einem einfachen Buch, dass sie in einem Antiquariat oder beim Auflösen des Haushalts einer verschrobenen Erbtante gefunden hatte, eine Idee entwickelte. Meine Verzweiflung sank.

Die Glücks-Industrie: Eine nimmersatte Geld-Mach-Maschine

Das ist 10 Jahre her, inzwischen weiß ich so viel mehr. Es ist kein Geheimnis, dass es eine ganze Industrie gibt, die mit der positiven Einstellung und Affirmationen viel Geld verdient, indem sie Menschen verkauft, dass man einfach daran glauben muss, dass alles funktioniert und jede(r) bekommt was sie/er verdient. Das Streben nach Glück à la „The Secret“ hat für Frauen leider einen großen Haken: Nur mit einer positiven Einstellung kommt man längst nicht überall hin.

Zum Beispiel kommt man nicht nackt und ohne Ausrüstung auf den Mount Everest. Mir ist jedenfalls kein einziger Fall bekannt. Eine Frau. Allein. Vor allem wenn du Mutter bist? Wie soll das gehen. Selbst wenn du dir die 3 schönsten Zitate aus „The Secret“ auf die Unterarme tätowieren lässt, weil mehr siehst du nicht von dir, wenn du ein Kind trägst.

Warum hacke ich so auf diesem Buch herum, das so viele Frauen begleitet? Weil es überall ist, wie die Lieblings-Spielsteine meines Kindes. Es verkauft sich immer noch wie geschnitten Brot, vor allem bei Menschen, die eigentlich nur noch Geld haben, ihr Brot selbst zu backen. Sie vertrauen darauf, dass das neoliberale Versprechen – Arbeit und eigene Leistung bringen uns überall hin – funktioniert.

Wir hinterfragen das nicht genug. Wir unterwerfen uns dieser Idee, das uns alles selbst gelingen muss. Wer es nicht aus eigener Kraft zu Wohlstand bringt, hat etwas falsch gemacht.

Dabei ist längst bekannt, dass wir in einer Zeit leben, in der wir dringend über ein neues System der Einkommensverteilung nachdenken müssen und ins Handeln kommen.

Die neoliberale Glücks-Gehirnwäsche:

Das sage ich doch nur, weil ich es selbst nicht bis nach ganz oben auf dem Gipfel geschafft habe?

MIMIMI?

Nein das sagt zum Beispiel auch Guy Standing, ein ehemaliger britischer Wirtschaftsminister, der da oben ist:

Das System der Einkommensverteilung des 20. Jahrhunderts ist zusammengebrochen. Seit den 1980er Jahren geht in den meisten wichtigen Volkswirtschaften ein immer geringerer Anteil des Gesamteinkommens an die Erwerbstätigen. Die durchschnittlichen Reallöhne stagnieren oder sind sogar rückläufig. Heute häuft eine winzige Minderheit von Menschen und Unternehmen einen gigantischen Reichtum an, und zwar nicht durch „harte Arbeit“ oder produktive Tätigkeit, sondern durch sogenannte Renteneinkommen. (Le Monde diplomatique vom 09.11.2017, Guy Standing)

Zum sogenannten Renteneinkommen gehören übrigens auch Einkünfte wie Rhonda Byrnes Millionen aus „The Secret“. Oder diese UBER Umsätze, oder Foodora.

Erst gestern hat wieder eine Frau „The Secret“ ins Spiel gebracht, als Empfehlung.

Warum hält sich diese Mär vom positiven/magischen Denken so hartnäckig bei Frauen, und wieso regt mich das so auf. Ist das ein Trigger?

Nein das ist ein gutes Beispiel dafür, wie schnell wir Frauen uns zufrieden geben. Und was diese neoliberale Glücks-Gehirn-Wäsche mit uns macht, sie entpolitisiert uns:

Wenn Frauen Hindernisse, Missstände und ungerechte Verhältnisse ausblenden, sich damit arrangieren, statt auseinanderzusetzen, weil es vermeintlich nicht nötig ist, bzw. dem eigenen Glück nichts entgegensteht außer man/sie selbst, dann passiert gern das:

Selbstoptimierung –> Selbstausbeutung –> Selbstbetrug  und wieder von vorn…..

…. merkste selbst?

Warum negative Umstände nicht weggedacht werden können:

Wenn wir glauben, dass wir wirklich soweit sind, dass es jede von uns nach ganz Oben schafft, dann ist das leider naiv, und für uns alle gefährlich!

Für manche Frauen ist das Leben nach wie vor schwierig, nur weil sie Frauen sind, und das Positivste im Leben ist der Schwangerschaftstest über den sie gerade pinkeln.

Das ist kein großes Geheimnis, sondern Realität.

Ich bin jetzt 46 Jahre alt, ich glaube fest daran, dass alle Menschen gleich sind, aber ich glaube nicht mehr daran, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben, und Fülle und Reichtum erhalten können, nur weil sie das wollen – vor allem wenn sie irgendwann Mütter in Deutschland sind.

Wenn „The Secret“ funktionieren würde, dann müsste dieses Buch allein schon aus humanitären Gründen überall auf der Welt verteilt werden. Von jedem aufgeklärten Staat, der sich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf die Fahne geschrieben hat. Zum Beispiel als Begrüßungsgeschenk an jedes neugeborene Kind hier in Deutschland. Stattdessen kommt als erste offizielle Post die Steuerindentifikationsnummer vom Finanzamt.

Danke Deutschland.

Was MIMIMI über den Zustand unserer Gesellschaft sagt:

Das hat nichts mit einer negativen Einstellung zu tun.

Das ist auch kein MIMIMI.

Es ist dringend nötig aufzuheulen. Kollektiv im Rudel!

Vor kurzem hat eine starke Frau, die ich mag, einen Beitrag bei Facebook geteilt. Es war ein Bild von einem Wolfsrudel, dass über einen verschneiten Berg zog. Die Wölfe liefen in kleineren Gruppen von 2 – 4 Tieren, in etwas Abstand folgte ein letztes Tier. Darunter fand sich eine Erklärung: Ganz hinten befand sich nämlich nicht der älteste oder schwächste Wolf, sondern der stärkste. Vielleicht sogar eine Frau? Weiß man nicht. Wird für immer ein Geheimnis bleiben.

Im Grunde genommen lerne ich allein von diesem Bild mehr, als von „The Secret“. Ich verstehe, warum so viele unterschiedliche Frauen mit dem Muttersein hadern.

Spätestens wenn du ein Kind hast, kannst du das Tempo unserer Gesellschaft nicht mehr wie gewohnt bewältigen. Das kleinste Hindernis kann dich aus dem Tritt bringen, abhängen – vor allem wenn du kein Rudel um dich herum hast. Da nutzen dir auch keine positiven Glaubenssätze, z.B. wenn man vor Müdigkeit an der Discounterkasse einschläft oder auf der Rolltreppe vom KaDeWe.

Was wir von den Wölfen lernen können:

Ich darf mich darüber nicht beschweren, dass ich als Mutter überlastet bin, weil mich Papi Staat vor eine unlösbare Aufgabe stellt (siehe Mount Everest)?

Nicht darüber aufregen, dass viele Frauen schnell in wirtschaftliche Not gedrängt werden, sobald der Partner fehlt.

Wenn ich das so negativ sehe, oder es überhaupt formuliere, dann ändere ich nichts an meiner Situation, sondern im Gegenteil, mache es nach dem Gesetz der Anziehung noch schlimmer.

Das ist kein Beispiel für die Macht positiven Denkens, sondern dumm.

Warum soll ich mich mit solch ungerechten Verhältnissen zufrieden geben? Ich kann natürlich „nein“, wenn mir ein befristetes Arbeitsverhältnis angeboten. Aber was sind die Alternativen?

Ich habe z.B. schon selbstständig gearbeitet, als mein Kind kleiner war, das ist sehr schwierig, wenn du nur ein Einkommen hast – und deine Rücklagen in den letzten 10 Jahren geschrumpft sind.

Es gibt Kunden, die zahlen leider so, wie ich es gerade manchmal muss. Und es gibt große Agenturen, die sagen von vornherein: 60 Tage Zahlungsziel, Baby. Sag das mal deinem Vermieter, und verweise darauf, dass du das alles beim Universum gerade nicht bestellt hast.

Man hat übrigens auch keinen Krebs beim Universum bestellt, keine betriebsbedingte Kündigung, und bestimmt nicht das Mangelgefühl trotz Arbeit nicht zu wissen, wovon man die nächsten 10 Tage leben soll – und deswegen energetisch auf dem letzten Loch pfeift.

Das Einkommen und die Kraft fehlen automatisch immer einem kleinen, sehr bedeutenden Teil der Bedarfs- bzw. Glücksgemeinschaft mit dem wir einen großen Teil in diesem Reinkarnationsabschnitt zusammen leben dürfen.

Buddha würde sagen: DAS IST EIN PROBLEM!

Was sich dringend ändern muss:

Wenn wir den Lebensumständen und politischen Verhältnissen eine so geringe Rolle beimessen, dann machen wir uns mitschuldig daran, dass das Glück weiter so ungerecht verteilt wird = immer mehr Menschen von Wohlstand ausgeschlossen werden, oder abgehängt werden.

Das kann sich keine Gesellschaft leisten.

Geld ist nicht alles?

Eine positive Einstellung allein macht nicht satt.

So ist das nämlich meine sehr verehrten Damen (und Herren), das weiß sogar das Universum. Buddha weiß das auch, der überlegt übrigens, ob er sämtliche Exemplare von „The Secret“ einsammelt und sich draufsetzt und ein paar Jahrhunderte durchmeditiert, bis wir zu Verstand und endlich in die Gänge kommen.

Ich würde ja auch Online Seminare zum Thema Glück und Geld, Titel wie „Wohlstandsmagnet: Wie du dir in 30 Tagen ein einzigartiges Portfolio erstellst und dir ein Leben im Reichtum ermöglichst“ aus dem Internet radieren, wenn ich Buddha wäre, weil ich als Mutter daran interessiert bin, dass die Menschheit sich um die lösbaren Aufgaben dieses Planten kümmert, weil die nämlich nicht verschwinden, wenn man nur fest daran glaubt, oder sich für ein kostenloses Online-Seminar einträgt.

Ich hab eine Liste vorbereitet.

Wer steht da so alles drauf?

IT‘ S MY SECRET!

Ich habe übrigens beim Schreiben dieses Artikels festgestellt, dass ich inzwischen eine positive Einstellung zum Geld habe: dieser Artikel hat dir weitergeholfen, dich inspiriert, zum Lachen gebracht  Gut. Dann freue ich mich, wenn du als Dank diesen Blog unterstützt. Spende über Paypal einfach den Betrag, den Dir dieser Text/ Blog wert ist. Dann haben wir beide etwas davon. 

Hier einige Namen und Artikel zum Thema „Kritik Glückspsychologie“ :

Barbara Ehrenreich, eine Autorin und Journalistin – hat das Buch „Smile or die“ geschrieben:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/smile-or-die-gegen-die-widerliche-optimismus-industrie-1.995130

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/interview-positives-denken-macht-uns-alle-dumm/1907594.html

Eva Illouz, eine israelische Soziologin:

http://www.taz.de/!510638/

Ein Tag mit dem Glücks-Guru Martin Seligmann: http://www.zeit.de/2012/01/Glueck-Unglueck

Über positives Denken:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psychologie-die-gefahren-des-gute-laune-zwangs-a-733903.html