Also ich bin ja oft schlaflos, und manchmal suche ich Ablenkung, Trost und akute Einschlafhilfe in der Mediathek. Sehr oft hilft das, ich mache nämlich schon in den Teaser-Texten schlapp, die Beschreibung des Plots legt sich bleischwer auf meine Lider, und spätestens bei der Lektüre der Besetzungsliste, katapultiere ich wieder panisch wieder in die Tiefschlafphase.

Manchmal geht meine Methode auch nach hinten los, ich gucke doch, obwohl mein Bauch sagt: mach dir lieber heiße Mandelmilch mit Honig. In diesem Fall liege ich fassungslos wach, nach einem wirren Krimi oder einem abstrusen Familiendrama in einer sterilen Vorstadtidylle – und frage das Universum verzweifelt: Wann können wir unsere GEZ Gebühren endlich in ein Netflix-Abo umwandeln?

Es gibt mir darauf nie eine Antwort. Vielleicht weil es ja noch die ARTE Mediathek gibt? Oft ein Grund zur Freude. So auch heute, als ich mitten in der Tram laut gebrüllt habe, als ich einen Pressetext las, weil die komplette erste Staffel von Top of the Lake in der Arte Mediathek verfügbar ist: KREISCH, weil nämlich bald die zweite Staffel kommt! Kreisch! Kreisch! In der zweiten Staffel spielen neben Elizabeth Moss, Nicole Kidmann und Gwendolin Christie mit – dreimal KREISCH.

Worum geht es? Das ist ja eigentlich egal? Hast du gelesen wer da mitspielt?

Es geht um Robin Griffin (Elizabeth Moss), die in Sydney in einem Mordfall ermittelt, nebenbei ihre als Baby zur Adoption freigegebene Tochter trifft, sich mit einer übereifrigen Kollegin plagt (Gwen Christie), die mit ihrem verheirateten Chef eine seltsame Affäre hat. Wo bleibt die Kidman in dem Plot? Die spielt die Adoptivmutter, die ihren Ehemann für eine Frau verlassen hat. Endlich mal eine Problemlage, die mit meinen Alltagsherausforderungen mithalten kann. Nur die Leiche im Koffer, die am Bondi Beach angespült wird, da sage ich: Huch, muss ich nicht haben. Ach und der sehr viel ältere Freund, der als Baby zur Adoption frei gegebenen Tochter, hat damit natürlich irgendwie zu tun – und ist sehr sehr merkwürdig. Nicole Kidman ist das sehr früh klar, deswegen möchte sie ihn auch bei einer Szene beim gemeinsamen Abendessen glaube ich spontan mit WC Reiniger vergiften (das ist jetzt aber nur meine Interpretation wie sie ihn über den Tisch fixiert). Nicole Kidman hat übrigens graue Haare, und sieht damit großartig aus.

Bevor ihr aber Staffel 2 anfangt, müsst ihr unbedingt die 1. Staffel sehen (wie gesagt ARTE Mediathek – klickst du hier): Lohnt sich Staffel 1? WHAT:

Staffel 1 spielt mitten in der fantastischen Gebirgs- und Seenlandschaft von Neuseeland. Allein die Großaufnahmen sind wie Urlaub, halt leider etwas gewalttätig. Dort ermittelt Robin Griffin (Elisabeth Moss), Spezialistin für Sexualdelikte, im Fall der zwölfjährigen Tui (Jacqueline Joe), die im 5. Monat schwanger ist. Was passiert ist mit dem Mädchen; wer der Vater ist – darum dreht sich die sechsteilige Miniserie von Jane Campion. Jane Campion ist übrigens die Frau, die den Film „das Piano“ gedreht hat und dafür zurecht einen Oscar bekommen hat. Wer diesen Film nicht gesehen hat, der muss das JETZT! nachholen. Wie auch immer: Top of the Lake hat eine irre gute Besetzung, und besticht durch atemberaubende Bilder (NEUSEELAND SCHATZIS!).

Und dann hab ich tatsächlich auch eine Empfehlung für die ZDF Mediathek. In der Reihe das kleine Fernsehspiel wurde am Montag der Film Naomis Reise gezeigt.

https://www.zdf.de/filme/das-kleine-fernsehspiel/naomis-reise-100.html

Es geht darin um häusliche Gewalt und Heiratsmigration. Also Triggerwarnung an dieser Stelle! Der Film spielt hauptsächlich in einem Gerichtssaal, und wer jetzt denkt öde, der irrt, man erlebt den Prozeß mit den Augen der Schwester des Opfers – Naomi, die als eine Nebenklägerin der Verhandlung beiwohnt, und deswegen mit ihrer Mutter aus Peru nach Berlin gereist ist.

Das Besondere an dem Fernsehfilm ist, dass tatsächlich mit echten Richtern, Verteidigern und Staatsanwälten gedreht wurde. Herausgekommen ist ein packender Film, der einerseits nüchtern auf unser Rechtssystem und seinen Umgang mit Gewaltopfern schaut, aber auch stark Anteil nimmt am Schicksal der Protagonistinnen und der Trauer der Familie. Die eindrücklichste Szene ist, als der unfassbare Tatabend sachlich vom Staatsanwalt vorgetragen wird, und die Kamera auf die Gesichter der Nebenklägerinnen fährt.

Für Naomi und ihre Mutter ist der Verlust der Schwester nicht nur eine emotionale Katastrophe, sondern auch eine wirtschaftliche. Das spart der Film nicht aus, und das ist eine wichtige Botschaft: Die finanzielle Abhängigkeit der Frauen, und der Chauvinismus dieser Männer, der fast schon rassistisch ist, wird ganz beiläufig im Gerichtsprozess deutlich.

Ein starker Film über starke Frauen, und die Existenznot vaterloser Familien, die ein globales Problem ist. Nebenbei lernt man auch etwas über Solidarität unter Frauen: in Berlin leben beide Frauen im Kinderzimmer einer Freundin der Schwester, die selbst vor vielen Jahren mit ihrer Mutter aus Mexiko gekommen ist.

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