Gestern hat eine Freundin einen Artikel geteilt. Es ging um ein altbewährtes Feindbild aus Prenzlauer Berg.

Die Cappuccino trinkende Mutter – die ist vor allem in der Saure Gurken Zeit gern an allem schuld (und bringt der Onlineredaktion viele Klicks). Ich kenne das, also nicht das Cappuccino trinken, obwohl ich voll im Zielgruppen-Kiez wohne, aber das mit der Schuld, damit hab ich total viel Expertise.

Wie alles begann: Die Rippe, der Cappuccino und so

Alle Frauen! Wir sind mal ungefragt aus einer Rippe gemacht worden.

Dann ist Eva ständig ohne Unterwäsche mit nicht ausreichend langem Haar durch einen Garten mit einem Apfelbaum und vielen Kaffeesträuchern gelaufen in dem ein unschuldiger Mann stand, um den Milch und Honig flossen, und weil die Äpfel noch nicht reif waren, aber eben die Kaffeebohnen – und weil Eva clever war, ein Händchen fürs Rösten hatte, und Adam eine Steinmühle, nahm das Drama seinen Lauf: Der Cappuccino wurde erfunden.

Adam und Eva tranken begeistert aus einer Tasse, waren kurz darauf quasi zu dritt und damit gleich wieder raus aus dem Garten Eden – bzw. nur einer von ihnen weiterhin vollbeschäftigt. Eva bekam dafür immerhin Elterngeld, hatte fortan viel Zeit für ihr Lieblingsgetränk – und Adam hat geackert.

Mit der Lösung waren alle sehr einverstanden und super glücklich? Auch der ganz große Boss, der von oben zugeguckt hat. Wir wissen es nicht, kann keiner Eva fragen. Gab auch leider noch kein Twitter.

Meine heiße These lautet ja: Eva hatte auch ohne Feldarbeit ganz schön viel zu tun mit Kain und Abel – und irgendwann die Schnauze voll vom Cappuccino (besonders harmonisch war es in der Familie jedenfalls nicht). Wie auch immer zurück zum Thema:

Warum wollen Frauen immer nur das eine?

Das mit dem Cappuccino hat man den Frauen bis heute nicht verziehen. Außer vielleicht Maria: Die hat auch meines Wissens nach nie mit ihren Freundinnen Kaffee getrunken, die war immer für ihren Sohn da und hat ihn nur einmal gefragt, ob er Wasser zu Wein macht (ich war bei Nonnen auf der Schule und Meßdienerin = ich weiß Bescheid).

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Mütter haben ganz oft Abitur, einen Beruf und mehr Möglichkeiten. Rein theoretisch. Es gibt jedenfalls unendlich viele Varianten von Kaffee mit Milch und jede(r) zweite darf oder will keine Kuhmilch trinken. Trotzdem trinken so viele Frauen freiwillig Cappuccino sobald das erste Kind da ist?

Irgendwie muss man den Tag ja rumkriegen, vor allem wenn man kleine Kinder hat, die laut Studien eine 60 Stunden Care-Arbeitswoche bedeuten.

Und schon kommen wir wieder zum Titel des Artikels, um den es hier eigentlich geht: „Cappuccino-Mütter sind eine Gefahr für die Gleichstellung“. Ich habe ihn nicht nur geliket und geteilt, sondern auch gelesen.

Hot news über Hausarbeit und Gleichstellung:

In dem Artikel steht fast gar nix über Heißgetränke. Es ist ein sehr interessantes Interview mit einer sehr klugen Frau, Barbara Stiegler, die seit vielen Jahren zum Thema Gleichstellung forscht. Sie kommentiert den aktuellen Gleichstellungsbericht. Da steht drin was wir alle schon wissen: Frauen machen immer noch 50 % mehr im Haushalt. Und sogar wenn keine Kinder da sind, machen die Frauen in einer Partnerschaft mehr Hausarbeit, das steht nicht in diesem Artikel aber in einer OECD Studie.

Frau Stiegler geht im Spiegel Artikel mit den Cappuccino Müttern gar nicht hart ins Gericht. Sie stellt sich nur die berechtigte Fragen:

  • Warum gerade jetzt wieder viele Frauen auf das Alleinverdiener-Modell setzten
  • Sich nicht mehr Menschen wundern, warum Care-Arbeit so wenig angesehen ist
  • sie immer noch so ungleich verteilt ist innerhalb einer Familie
  • sie gar nicht oder so schlecht bezahlt wird, dass es weder für eine angemessene Rente reicht, geschweige denn für einen Cappuccino am Tag, wenn kein anderer Verdiener parat steht (oder ein Erbonkel).

Barbara Stiegler stellt etwas sehr Wesentliches fest:

Die Care-Arbeit, die die Grundstruktur unsere Ökonomie ist, ist ökonomisch absolut vernachlässigt. Man muss erst mal kapieren, dass alles zusammenbricht, wenn dieser Bereich nicht funktioniert. Diesen Bereich neu zu begreifen, nennen manche Care-Revolution. Ich würde einfach sagen, eine sehr starke Änderung der Bewertung der Arbeit. Das steht an.

Da hat sie sehr recht. Ich finde es auch sehr bedenklich, dass es aufgrund der Belastung von Frauen durch Care-Arbeit einen sogenannten Eliten-Feminsismus gibt.

Frauen, die es sich leisten können von der Care-Arbeit entlastet zu werden, machen viel leichter Karriere. Das geschieht übrigens wieder mehrheitlich auf dem Rücken anderer Frauen. In Mitte oder Prenzlauer Berg gehört zu vielen erfolgreichen Müttern eine schlecht bezahlte Haushaltshilfe.

Frau Stiegler weiß das auch:  „Ja, bei privaten Dienstleistungen wird es auf dem Rücken von Migrantinnen fortgeführt. Hilfskräfte, die zeitweise mit im Haushalt leben, leben in der Regel mehr als prekär.“

Dafür werden auch gerne Frauen genommen, deren Rente vorne und hinten nicht reicht, obwohl sie Vater Staat 1-2 Kinder geschenkt haben. Die wären meiner Meinung nach hochverdiente Cappuccino Mütter. Dafür langt es bei denen aber auch nicht. Tja und so schließt sich der Kreis. Noch Fragen liebe Mit-Mutti?

Bitte wenden Sie sich an die/den Abgeordnete(n) near you. Treffen Sie sich doch mal unverbindlich auf einen Cappuccino. Ganz heißes Thema.