Meiner Meinung nach ist vieles im Leben ganz einfach. Wie man mit jemanden spricht zum Beispiel. Rein theoretisch jedenfalls. Im wirklichen total echten Leben und bei Facebook und Co ist es das aber irgendwie schon lange nicht mehr. Wir sagen immer öfter Dinge, die wir abfedern müssen mit Sätzen wie „das wird man doch mal sagen dürfen“. In diesem lapidaren Satz steckt viel – zum Beispiel die unausgesprochene ewig gültige Antwort auf eben diesen Satz – und die lautet in neun von zehn Fällen: NEIN!

Es gibt Dinge und Wörter, die sagt man einfach nicht so einfach. In einer zivilisierten Gesellschaft und einem durch humanistische Werte geprägten sozialen Umfeld schließen sich bestimmte Verhaltensweisen, Wörter und Sätze per se aus.

Dresden oder warum wir öfter die Stummtaste drücken sollten:

Man lässt sie deshalb da, wo sie keinen größeren Schaden anrichten können. Am besten denkt man sich beim Runterschlucken oder Löschen dieser unaussprechlichen ungehörigen Wörter noch den Satz: So etwas darf man nicht einmal denken. Das hat seinen Sinn und sich bewährt.

Nein manches sagt man einfach nicht. Auch und gerade dann, wenn man glaubt, es handele sich bei diesen Gedanken, die irgendwo in einem lauern und auf eine Chance hoffen, zu Wörtern zu werden, um eine „bloße“ Meinungsäußerung. Mit dem Wort „bloß“ verwandt ist übrigens das Wort „Blöße“. Menschen, die mich kennen oder diesen Blog lesen, wissen dass ich damit kein Problem habe.

Dinge zu sagen, die ich meine und unbequem sind, fällt mir nicht schwer. Aber ich wäge sehr wohl ab, wie ich das sage, wem und warum. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Meinung und einer Beleidigung. Viele von uns haben das gelernt. Manche Sätze sitzen seit Kindesbeinen fest in unserem System und unseren Köpfen:

So etwas sagt man nicht, 

hallt die Stimme des Vaters, der Mutter, des Großvaters – oder eine Tante brüllt entsetzt über einen großen festlich gedeckten Tisch:

Solche Wörter benutzt man nicht – wo bleiben eure Manieren?

Die Sätze mit den Wörtern und den Manieren begleiten mich schon ganz schön lange.

Menschen, Affen und das Recht auf freie Meinungsäußerung:

Sie sind zwei „gute“ Glaubenssätze, die ich nicht auflösen muss, auch wenn sie mich hindern. Sie blockieren nämlich etwas ziemlich gemeines und fieses in mir. Und das ist auch gut so:

„Mensch sein“ und „menschlich sein“ sind zwei durchaus ähnlich klingende aber sehr verschiedene Zustände. Für das eine kann man nichts – für das andere schon:

„Wir sind doch keine Tiere“,

heißt es so schön. Auch wenn wir unleugbar vom Affen abstammen: Wir haben einen aufrechtem Gang, eine ebensolche Haltung und sind Vernunft begabt.

Ich bin kein Verhaltensbiologe. Deswegen weiß ich zum Beispiel nicht, wie unsere Verwandten, die Schimpansen, miteinander kommunizieren, aber ich bin immerhin ein Mensch. Aus diesem einfachen Grund beobachte ich ständig unfreiwillig wie meine Artgenossen und ich miteinander sprechen und miteinander umgehen. Und jetzt liebe Freunde, Leser und zufällige Besucher dieser Seite kommt es ganz dick:

Die Menschheit lernt nichts dazu.

Auch das ist ein Satz aus meiner Kindheit – ich höre wie ein Erwachsener ihn sagt, – resignierend  – weil irgendjemand irgendjemanden wieder etwas Unaussprechliches angetan hat. Ich seufze diesen Satz inzwischen selbst ganz schön oft. Ich flüstere oder schnaube ihn vor mich hin – leise und leicht zornig.

Meinungsfreiheit versus Würde:

Zum Beispiel wenn Menschen vor einer Kirche in Dresden stehen und „Affenlaute“ nachahmen, weil ein dunkelhäutiger Ehrengast an ihnen vorbeigeht und ihnen dieser Umstand missfällt, weil sie denken, so einer gehört hier nicht her. Das ist ihre Meinung und sie glauben, dass sie durch unser wunderbares Grundgesetz dazu berechtigt sind, diese lautstark kundzutun.

Rein theoretisch ist das auch so. Unser wunderbares Grundgesetz sagt: Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Rein praktisch heiß es aber: Meine Freiheit hat ihre Grenzen. Sie hört genau da auf, wo die Würde eines anderen Menschen herabgesetzt oder seine persönliche Ehre verletzt wird. Das steht auch im Grundgesetz. Zum Glück. Das ist wieder sehr einfach und praktisch.

Die Frauen und Männer, die diese Grundsätze aufgeschrieben haben, haben sich etwas dabei gedacht, weil sie etwas sehr schlimmes überlebt haben.

Übrigens: Es ist auch kein Recht auf freie Meinungsäußerung eine Frau mit einem Wort, das mit F anfängt und mit e aufhört, zu begrüßen. Das ist Dialekt?  Aha: In manchen Ländern wird manchen Menschen dafür ein Ohr abgeschnitten. Von der Polizei. Beides gehört sich einfach nicht. Die Würde des Menschen und seine Ohren sind unverletzlich.

Kein Recht auf freie Meinungsäußerung wiegt mehr als das.

Eine Beleidigung ist keine Meinung.

So einfach ist das. Rein theoretisch.