Am Wochenende war ich erst beglückt und dann betrübt. Sharon Stone postete Fotos von sich auf Ihrer Facebook-Seite. Sie hat sich noch einmal ausgezogen. Nein nicht für den Playboy, sondern für die Zeitschrift Harpers Bazaar. Zu den Fotos gehört auch ein bemerkenswertes Interview, dass man in jedem Fall lesen sollte. Ich mag Sharon Stone. In den Neunzigern verkörperte Sie einen neuen sehr selbstbewussten, klugen Sexappeal. Bei allem was sie machte hatte sie diese „Fuck-Off-it-is-none-of-your-business-attitude“, deswegen fand ich auch dieses Beine kreuzen im Film Basic Instinct nicht anstößig, sondern sehr stimmig! Obwohl ich auch ein bisschen erschrocken war, damals im einzigen Kino der Mittelstadt in der ich aufwuchs (gibt es das überhaupt noch? Gott ist das lange her). Aber ich schweife wieder ab, zurück zu Miss Stone:

Sharon hat unter Ihrem Image sehr gelitten. Sie hat viele gute Rollen nicht bekommen, wegen Ihres Aussehens. Jetzt mit 57 Jahren pfeift sie drauf. Sie scheint mit sich im Reinen: Eine schöne Frau, die angekommen ist, und sich in Ihrem Körper wohl fühlt. So wirkt das jedenfalls auf den ersten Blick. Wenn man dann hinschaut, kommt man ins Grübeln?

An einem Ellenbogen sind 4 malerische Falten zu sehen, aber ansonsten ist der Körper total straff und faltenfrei. Sharon Stone sieht aus wie eine blank polierte Marmorstatue. Wunderschön ja – lebendig, authentisch oder warm wirken die Fotos nicht. Das ist sehr schade, denn in dem Interview, das Harpers Bazaar zusammen mit den Fotos veröffentlichte, ist sie genau das: Authentisch, mutig und inspirierend. Ob die Fotos wirklich bearbeitet sind, kann ich nicht beurteilen. Ist auch egal – es geht mir um etwas anderes: Sharon Stone muss sich nicht für Ihren Körper schämen. Er ist bestimmt wahnsinnig gut in Schuss für 57. Ich schäme mich übrigens gerade ein bisschen dafür, dass ich das schreibe: Was heißt hier für 57 gut in Schuss? Wer legt fest, wann ein Körper schön ist und wann nicht? Die Chefredaktion von Harpers Bazaar, all diese bekannten Frauenzeitschriften (die ich aus diesem Grund nicht mehr lese höchstens das Horoskop), sehr junge Marketingleute oder narzisstische Agenturchefs? Ist auch egal, es ist müßig, darüber zu diskutieren. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters! Gerade unser Blick auf uns selbst bestimmt wie schön wir uns finden. Ich habe vor einigen Wochen schon einmal einen Beitrag zu diesem Thema geschrieben.

Es ist doch meistens so mit uns Frauen: Wir brauchen sehr lange bis wir uns mit unserem Körper anfreunden. Solange wir Kinder sind ist alles ok. Wir toben nackt bis auf die Unterhose durch den Garten, spüren die Sonne auf der Haut, den Wind in den Haaren und das Gras unter den Füßen – wir fühlen uns wohl in unserem Körper. Dann kommt die Pubertät. Viele von uns werden erschüttert: In der Umkleide vergleicht man sich, der eigene Körper ist plötzlich nicht mehr schön, sondern fremd, weil anders als die anderen. In den nächsten Jahren wird das nicht besser: Wir wetteifern um die Gunst der Jungs und um die richtige Jeansgröße, die wir nie erreichen werden, es sei denn wir legen unsere Hüften unter eine Kreissäge (nein da kommt man leider auch bei einem Intelligenzquotienten von über 130 von selbst nicht drauf). Wir entfremden uns von unserem Körper. Ist auch kein Wunder: Er ist nicht mehr so wichtig, weil wir nach der Pubertät nicht mehr durch den Garten toben, sondern studieren, Karriere machen und brave Töchter sind. Wir brauchen dazu vor allem unseren Kopf.

Dann sind wir 30 Jahre alt: Wir lesen in Frauenzeitschriften unfassbare Dinge, die ab jetzt mit der Haut und dem Körper passieren. Frauen, die wir kennen, lassen sich heimlich Botox spritzen und laufen vor jeder noch so kleinen Kalorie davon. Wir genießen eigentlich gerade endlich mal das Leben, gutes Essen und werden doch panisch. Wie damals in der Pubertät geben wir sehr viel Geld aus für vielversprechende aber nutzlose Hautpflege (dieses komische Noppen-Ding z.B. mit der Koffein haltigen Seife drin mit dem man sich die Haut vom Oberschenkel abgeraspelt hat bis man fast ohnmächtig wurde in der Dusche?). So geht das bis zum Judgement Day irgendwann Mitte 30: Die Kosmetikerin, die bis dato ganz vernünftig war, preist einem Ampullen an, die total straffen. Sie prophezeit mit ernster Miene, dass einem sonst mit spätestens 40 die Oberlider bis auf die Chanelbrille hängen. OH GOTT! Und das Ladies und Gentlemen (laut Statistik habe ich immerhin 9% männliche Fans) ist der Moment, wo man sich entscheidet:

Entweder man führt weiter Krieg gegen sich oder man schließt genau jetzt Frieden.

Ich bin nicht mehr zu dieser Kosmetikerin gegangen. Ich hatte in diesem Moment genug, denn ich hatte gerade wichtigere Dinge in meinem Leben zu tun (u.a. war ich alleine mit einem Säugling). Das heißt jetzt nicht, dass ich Ampullen für reife Haut verteufle. Nein ich liebe sie, vor allem die von Dr. Hauschka. Das Beste allerdings was man für sich und seine Haut tun kann ist: Akzeptieren wer Du bist, was zählt und was bleibt, wenn das Leben gerade mit Dir Achterbahn fährt oder Dich sanft in der Hängematte schaukelt. Ja das ist manchmal ganz schön schwer, aber das kann und muss man versuchen.

Inzwischen sind einige Jahre ins Land gegangen, ich habe eindeutig mehr Falten. Noch hängt kein Oberlid auf meiner Chanelbrille (Ätsch!). An manchen Tagen ist das mit dem Blick für die eigene Schönheit härter als an anderen. Wenn ich nicht ausgeschlafen habe zum Beispiel, da kann man auf meiner Stirn Tic Tac Toe spielen, wenn man mich im richtigen Winkel in die Sonne stellt. Doch ich kann auch an solchen Tagen effektvoll die Augenbraue heben und denken: Na und! Mein Gesicht ist lebendig und das ist gut so.

Mein Körper ist im übrigen auch ok: Er ist in besserer Form als er es jemals war. Mit 20 Jahren hätte ich dafür gar keinen Blick gehabt oder das Bewusstsein dafür. Insofern danke ich an dieser Stelle dem Universum oder wem auch immer, dass das gerade so anders ist. Heute habe ich auf der Notyetaguru FB-Seite etwas Wahnwitziges gepostet: Dass ich mich im nächsten August an einem warmen Tag nackt in ein reifes Weizenfeld stellen werde, falls ich immer noch blogge, und meine Seite bis dahin 5.000 Gefällt mir Angaben hat. Wenn das wirklich passiert, werde ich nicht panisch werden, sondern mich freuen. Ich werde mir einen sehr schönen Tag machen, mir die Klamotten vom Leib reißen und mich in ein reifes vom Sonnenlicht bestrahltes Feld stellen irgendwo in Brandenburg (oder in Italien, wenn ich über 10.000 Gefällt mir Angaben habe). Ich gehe fest davon aus, dass ich mich in diesem Moment so gut fühle wie mit 5 Jahren, als ich halbnackt durch den Garten getobt bin. Das einzige was ich dem Fotografen mit auf den Weg geben werde ist folgende Bitte: Mein Hintern soll auf den Fotos nicht breiter wirken als das Feld. Amen. Moment! Wieso eigentlich nicht! Vielleicht schießt mit diesem Foto mein Instagram Account in ungeahnte Höhen? Wir werden sehen.