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rein theoretisch ist alles gut

Happy Feet

Es gab eine Zeit, da spielten Schuhe eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Ich war Schuh süchtig. Es begann harmlos irgendwann in meiner Kindheit. Ich wusste zur Freude meiner Mutter schon sehr früh, welche Schuhe mir gefallen und welche nicht. Dass das für eine Mutter eine ganz schöne Herausforderung sein kann, hatte ich erfolgreich verdrängt bis ich selber Mutter wurde: Mein Sohn tickt ähnlich wie ich früher. Allerdings ist er jetzt schon weiser als seine Mutter. Er sagt beim Schuhe kaufen, so tolle Sachen wie: „Der Schuh gefällt mir am besten, aber er drückt vorne an der linken kleinen Zehe Mama. Das nervt mich jetzt schon, dann will ich die lieber doch nicht“. Ich war da weit weniger vernünftig. Meine Zehen mussten ziemlich leiden. Am schlimmsten war ich wohl in meinen Zwanzigern. An einem schönen Sommertag schlenderte ich durch Florenz. Das Schuhschicksal schlug erbarmungslos zu: Als ich an einem Pollini Laden vorbei ging, fiel ein Sonnenstrahl auf ein Paar Lederstiefel. Mich traf der Schlag. Ich konnte und wollte nicht mehr ohne diese für mich von den Schuhgöttern persönlich ausgesuchten Schätzchens leben. Kurz darauf saß ich bei Pollini in einem Sessel. Gleich zwei gutaussehende Schuhspezialisten unter 1,80 m schwirrten um mich herum, was mich ehrlich gesagt nicht weiter störte. Einer von beiden ging ins Lager und brachte mir die Stiefel in Größe 37, der andere brachte mir lächelnd ein Glas Prosecco. Wenig später war es soweit: Ehrfurchtsvoll wickelte Schuhspezialist 1 die Stiefel aus dem Seidenpapier und reichte sie mir. Als ich die Stiefel in der Hand hatte, war es für mein Studentenkonto zu spät.

Die Stiefel waren federleicht und weich wie Handschuhleder und sehr gut verarbeitet. Mein Herz pochte, während mein Verstand SOS funkte: 10 cm, 10 cm, 10 cm ABSATZ und hast Du den Preis gesehen – bist Du irre???? Egal die Schuhgötter befahlen mir: Rein da!

Sie passten wie angegossen – nichts drückte. Dann stand ich auf. Der italienische Schuhspezialist schrumpfte. Ich schwankte Richtung Spiegel: Definitiv schwierig, damit zu gehen. Vorm Spiegel war ich einen Augenblick vernünftig. Ich suchte Hilfe beim Fachpersonal:

„Sie sind toll, aber bin ich nicht irgendwie zu groß damit?“ Schuhspezialist 1 strahlte mich an: „Signorina eine Frau wie Sie kann nicht groß genug sein!“. Ich tänzelte daraufhin weiter vorm Spiegel. Da meldete sich zum zweiten Mal die Fuß-Vernunft. Ich wandte mich vertrauensvoll an Schuhspezialist 2: „Aber ich kann auf diesen Schuhen nicht gut laufen. Also ehrlich wie sieht das denn aus, wenn ich bei nem Date so zum Auto schwanke?“ Schuhspezialist 2: „Signorina ich bitte Sie, wenn Sie diese Schuhe tragen, werden Sie getragen, wohin auch immer. Basta“.

Was soll ich da sagen: Ich ergab mich meinem Schuhschicksal. Allerdings war der Preis sehr hoch: Ich musste mich in Italien 4 Wochen von Pasta Aglio Oglio ernähren. Mittlerweile passiert mir sowas nicht mehr. Zugegeben: Ich bin noch weit davon entfernt, passionierte Birkenstock-Trägerin zu werden, oder mit entrücktem Lächeln barfuß durch Prenzlauer Berg zu laufen, aber ich quetsche meine Füße nicht mehr um jeden Preis in einen Wahnsinns-Schuh, so sexy er auch sein möge. Nope.

Mein Verhältnis zu meinen Füßen ist ein anderes geworden. Ich schätze mehr was sie leisten und was sie brauchen. Die Füße sind unser Anker. Sie erden uns und tragen uns durchs Leben (in meinem speziellen Fall tanzen sie auch ganz viel) Und was machen wir? Wir danken es Ihnen mit scharfem Hornhauthobel, giftigem Nagellack, zwängen sie in Killer High Heels oder Bondage-Gladiatoren-Sandalen? Nope!

Gestern nahm ich an einem Body Alignment Kurs teil – Restorative Exercise for Tänzer heißt er. Es war der 4. Termin. Meine Füße freuen sich jedes Mal, weil wir während der 45 Minuten auch ganz viel für sie tun. Meine Freundin Daniela Borgialli gibt den Kurs. Die Teilnehmerinnen kennen sich alle vom Tango Argentino. Wir sind ein kleiner Kreis von Frauen – Männer haben sich noch nicht zu uns verirrt, und das ist auch gut so, weil Daniela manchmal brüllt: „Stick your butt out!“. Es gab gestern nicht nur was für die Kehrseite, sondern auch einen neuen Fuß-Stretch. Wir streckten ein Bein nach hinten und streckten dabei den Fuß aus bis die Fußspitze den Boden berührte. Gleichzeitig bogen wir die Zehen zu einem kleinen Halbmond. Wir hielten das nicht lange durch, aber darum ging es auch gar nicht. Es ging darum zu spüren und zu fühlen und den Fuß sanft neu auszurichten. Frauen, die Ihre Zehen und den Ballen stark belasten, durch Absätze, können in etwa erahnen welcher Schmerz mich gestern kurz durchzuckte. Dabei ist es schon viel besser geworden in den letzten Jahren. Ich trage nämlich fancy, sexy High Heels nur noch bis max. 8 cm und ausschließlich in meiner Freizeit beim Tango tanzen. Victoria Beckham würde jetzt die Lippe schürzen und die Augenbraue hochziehen: „8 cm High Heels – Honey are you kidding me???“. Doch Vicky beim Tanzen fühlen sich 8 cm an wie 12 cm Stilettos. Ich schwöre. Es ist unfassbar wie viele talentierte Hobby-Tänzerinnen Ihre Füße in 10 cm hohe Tanzschuhe quetschen, die zudem viel zu klein oder zu groß sind. Dann tanzen sie damit 3 – 4 Stunden am Abend. Hauptsache sexy. Das ist wahnsinnig anstrengend – und es sieht auch nicht immer schön aus. Ich erschrecke jedenfalls regelmäßig am Rand der Tanzfläche, wenn ich einer Frau auf die Füße sehe, und Ihre Zehen sich in den Schuhen krümmen, wie kleine Widerhaken. Diese Zehen-Qual betrifft übrigens nicht nur Tänzerin, sondern viele Frauen. Das kann man prima beobachten, wenn man in der LPG an der Kasse ansteht und vor sich hin starrt: Unfassbar. Die Füße sind zwar frisch pedikürt und lackiert, aber die Zehen krümmen sich. Sie schreien zwischen engen Lederbändern um Hilfe. OMG! Umso schlimmer, wenn die Frau eine Yogamatte unterm Arm mit sich rumschleppt und ein T-Shirt trägt auf dem steht: I LOVE MY BODY!

Schätzleins we have to talk! Es ist ja gut und schön, dass wir uns mit Superfoods ernähren, brav zum Yoga gehen und überall unseren Spirit suchen, aber was ist denn bitte schön mit unseren Füßen? FREE YOUR FEET NOW! Wer bitte schön hat in der letzten Woche seine Füße pfleglich behandelt womit auch immer? Ich meine damit übrigens nicht eben mal schnell Hornhautreduzierungscrème auftragen oder die Füße in ein Becken halten in dem unschuldige Fische an Hornhaut knabbern müssen (mein Sohn plant übrigens alle diese Fische zu befreien)….

Dabei ist es gar nicht schwierig etwas für die Füße zu tun! Am Wochenende war ich am See. Es gab eine kleine Badestelle mit ordentlich Sand. Ich habe 25 Minuten lang mein Kind angefeuert beim Wasserspritzen, und gleichzeitig etwas für meine Füße getan. Ja das geht. Das geht übrigens auch zuhause auf der Yogamatte oder auf der Wiese im Park. Und weil das so schön war und mir so gut getan hat, erkläre ich den heutigen Montag zum Weltfußtag! Hier mein Feiertags-Programm:

Feel your Feet:

  • Erden: Die Füße hüftbreit auseinander auf den Boden stellen, ausrichten. Zu Anfang das Gewicht auf dem ganzen Fuß verteilen. Spüren wo man steht. Wo verlierst Du die Balance, wohin verteilt sich Deine Energie? Wie fühlt sich der Boden an auf dem Du stehst (Sand, Erde, Holz, Stein?).
  • Spüren: Gewicht in die Fersen, aufrichten. Jetzt alle Zehen vom Boden anheben und wieder absenken. Das wiederholst Du bitte 8 Mal. Dann jeden Zeh einzeln vom Boden heben. Beim kleinen oder großen Zeh anfangen und alle Deine Twinkle Toes einmal durch! Ja alle! Don’t give up! Das fiel mir total schwer. Ich habe 2 Jahre gebraucht bis ich meinen kleinen Zeh heben konnte.
  • Stärken: Jetzt die Füße langsam vom Boden heben. Dafür erstmal ganz viel Gewicht in die Ballen geben, und von dort aus die Füße gleichzeitig anheben. Das geht leichter, wenn man die Innenseite der Beine aktiviert. Die Kraft sollte sich von den Füßen nach oben bis hinauf in die Oberschenkel verteilen. Das bitte 10 Mal.
  • Mobilisieren: Versuche mit den Zehen etwas zu greifen. In meinem Fall gestern war das Märkischer Sand. Zehen mit der Ladung vom Boden anheben, dann Zehen öffnen und alles loslassen. Das bitte auch 8 Mal wiederholen. Keine Ausreden! Man braucht dafür nicht unbedingt Sand. Das geht auch prima mit Gras oder indoor mit Kindersocken oder Legosteinen, die sich auf dem Wohnzimmerboden verteilen.

Wenn Ihr dann Abends vom See oder wo auch immer zurück seid, das Kind schläft, der Papierkram erledigt ist, der Wäscheberg niedergebügelt, alles aufgeräumt ist (und zwar so das entfernt wohnende Verwandte ohne Kinder, nicht die Nase rümpfen, wenn Sie die Wohnung betreten) dann kommt das Beste: Das Notyetaguru-Happy Feet-Home-Retreat!

Das besteht aus einem Salz-Murmel-Fußbad und einer Tasse Tee!

Rezept Salzmischung:

250g Salz

12-15 Tropfen ätherisches Öl (Rosmarin oder Bergamotte)

4 -6 EL getrocknete, fein geriebene Pfefferminze

3-4 Handvoll Glasmurmeln geklaut aus dem Kinderzimmer

Das Salz in eine Schüssel geben, Ätherisches Öl darüber träufeln und kräftig umrühren. Dann Pfefferminze dazugeben. Das fertige Fußbadesalz in ein luftdicht schließendes Gefäß füllen. Ich hab es in ein altes Einmachglas mit Metallbügel gefüllt. Das Rezept stammt von einer Frau, die so heißt wie ich und einen schönen Blog schreibt namens Duftraum.

Anwendung:

Für ein Bad gebt Ihr zwei bis drei Esslöffel der Mischung in eine kleine Wanne. Dann bitte mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, alles ein bis zwei Minuten ziehen lassen, dann die Wanne mit warmem Wasser auffüllen. Und jetzt ist es total praktisch wenn man Kinder hat: So viele Glasmurmeln in die Wanne geben, dass der Boden bedeckt ist. Ihr solltet jetzt die Füße eintauchen und während des 10-20 minütigen Badens langsam auf den Murmeln hin und her rollen. Herrlich! Nie war ich lieber Mutter als in diesem Moment! Dazu den Tee trinken. In meinem Fall war das Zitronenverbene mit einem Stengel frischer Minze drin.

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