Seit einiger Zeit erfahre ich die Welt neu. Ich hebe den Kopf! Ein völlig neues Gefühl für mich. Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die dazu tendieren nach unten zu blicken – dabei muss ich ziemlich weit nach unten blicken, ich bin nämlich ziemlich hochgewachsen. Das nach unten schauen, habe ich mir übrigens nicht erst kürzlich angewöhnt. Ich erinnere mich daran, dass wir großen Mädchen in der Schule immer diese „ich-bin-gar-nicht-so-groß-ich-bin-klein-und-niedlich“ Haltung hatten (hat trotzdem nix genutzt beim Schulschwarm, aber das führt jetzt zu weit). Diese Kopfhaltung ist nicht gut für den Nacken (auch nicht für die Schultern oder den Rücken und den Rest – niemand sollte sich kleiner machen als er ist). Arbeitet man dann noch in einem Job bei dem man manchmal sehr verkrampft am Monitor sitzt und ellenlange Excellisten mit Informationen füllt, oder last minute E-Mails an Techniker in die Tastatur hackt, dann ist er irgendwann da: Nein nicht der Schulschwarm, sondern Mister Spannungskopfschmerz.

Mister SPK und ich hatten eine sehr intensive Beziehung. Für meinen Geschmack zu intensiv. Inzwischen ist das zum Glück anders: Er und ich machen eine Pause (wenn es gut läuft hält die bis 2071). Wir arbeiten an uns – jedenfalls ich, was er macht will ich gar nicht wissen. Ich gehe brav zum Yoga und versuche mir eine neue Kopf-Haltung anzugewöhnen. Das ist ganz schön schwierig, aber es wird. Dabei helfen mir auch zwei Formen der Körperarbeit: Alexandertechnik und die Grinberg Methode. Über beide Methoden und die beiden Praktikerinnen mit denen ich arbeite, werde ich hier noch berichten. Für Euch heute als kleine Inspiration und Übung: Einfach mal bewusst den Blick heben: Geradeaus blicken statt nach unten. Für einige von uns wird das ein sehr merkwürdiges Gefühl sein. Wahrscheinlich klebt Euer Blick auch eher am Boden? Das ist nicht gut. Vielleicht stalkt Euch auch schon Mr. SPK? Das muß nicht so bleiben. Gestattet Eurem Kopf seine natürliche Haltung und beobachtet was das mit Euch macht.

Diese „einfache“ Übung hat in einer Großstadt ihre Tücken: In einer Straße, die durchzogen ist von pittoresken bis riesigen Hundehaufen, würde ich eher davon abraten. Ebenso in einer Wohnung auf deren Fußboden sich manchmal Legosteine oder Dinosaurier verirren.

Was man ohne Gefahr für Schuhwerk und Laune machen kann, um ein Bewußtsein für die eigene Haltung zu entwickeln: Morgens wenn Ihr aus der Haustür geht, im Treppenhaus, kurz innehalten (kurzer Tretminencheck durch den Türspalt), dann überlegen, was zuerst von oben zu sehen wäre, wenn Ihr aus dem Fenster blickt und Euch dabei zuseht, wie Ihr zur Haustür rausgeht. Bei mir war das lange Zeit mein gebeugter und gebeutelter Nacken. Darauf lauerte schon Mr. SPK! OMG. Inzwischen treten andere Teile von mir schwungvoll als erstes vor die Tür. Mr. SPK flog deswegen vor einiger Zeit runter. Er segelte über einen großen Hundehaufen und landete in einem Baum (ich bin ja kein Unmensch).